Götter und Helden, germanische Geschichte und Mythologie

im Spiegel des 19. und 20. Jahrhunderts am Beispiel des Werks Richard Wagners

Ein Projekt-Seminar (P-Seminar) zur Bedeutung der Opern Wagners für die Vorstellungen der Deutschen von Germanentum

Inhaltliche Konzeption

Im Zuge der Suche nach nationaler Identität und des Wunsches vieler Deutscher nach einer politischen Einheit Deutschlands, die schließlich 1871 im Deutsch-Französischen Krieg als „Einigung von oben“ durch die deutschen Fürsten erfolgte, erlebte auch die Beschäftigung mit germanischer Geschichte und Mythologie einen Höhepunkt im gebildeten Bürgertum jener Zeit.

Ausgehend unter anderem von wiederentdeckten Helden-Epen aus dem Mittelalter und den Ergebnissen beginnender archäologischer Forschung beeinflusste die damalige Sichtweise auf die Germanen politische Vorstellungen bzw. Kunst und Kultur.

Foto: Die Figur Siegfried in Fell gekleidet mit Schwer
Postkarte Haus Wahnfried, um 1915

Problematisch war die Inanspruchnahme des Germanentums für einen deutschen nationalen Mythos, der natürlich die historischen Fakten in seiner eigenen Art und Weise interpretierte. So wurden die „Germanen“ recht undifferenziert als Vorfahren der „Deutschen“ gesehen, und die Komplexität der historischen Wahrheit wurde wenig beachtet.

Der „Hermann-Mythos“ um den Cherusker Arminius und die Vereinnahmung dieser historischen Persönlichkeit durch nationale Kreise sind gute Belege für die einsetzende Entwicklung. Nationalismus, Sozialdarwinismus und beginnender Rassismus in Verbindung mit diesem Thema sind die Schattenseiten im Denken des deutschen Bürgertums im 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert.

Entsprechend entwickelte sich auch im Bereich der Kunst und Kultur eine höchst eigene Vorstellungswelt von germanischer Kultur und Lebensweise, die aus der Sehnsucht dieser Zeit nach nationaler und historischer Identität zu erklären ist.

Ein wichtiges Element in der Auseinandersetzung um nationale Identifikation im Zuge der deutschen Romantik und einhergehenden Begeisterung für die Kultur des Mittelalters – gerade in Abgrenzung zu dem Gedankengut der Klassik – war natürlich auch das im 18. Jahrhundert von Jacob Hermann Obereit wiederentdeckte „Nibelungenlied“.

Gleichermaßen war das Streben nach einer eigenen deutschen Nationaloper ein wesentliches Anliegen der Bewegung der Romantik. Hier vollzog sich schon die Entwicklung von noch eher am Singspiel orientierten Opern wie „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber zu durchkomponierten Werken wie „Euryanthe“ vom gleichen Komponisten.

Richard Wagner, ehemaliger Revolutionär in Dresden und gleichfalls Befürworter nationaler Einheit, schuf mit dem Opernwerk „Der Ring des Nibelungen“ seine Interpretation germanischer Mythologie basierend auf einem genauen Studium entsprechender Quellen. Hervorzuheben ist dabei, dass er nicht nur komponierte, sondern auch die Libretti verfasste, um eine intensive Verschmelzung von Musik und Text zu erreichen. Gerade auch für dieses Werk wurde das Festspielhaus erbaut, da Richard Wagner die gängigen Bühnen seiner Zeit als nicht ausreichend für Aufführungen in seinem Sinne ansah.

„Der Ring des Nibelungen“ mit seinen vier Opern förderte natürlich wiederum eine umfangreiche Rezeption, die von absoluter Bewunderung bis zu kritischer Distanz in Gesellschaft und Kultur dieser Epoche reichte und ihrerseits die Sicht auf das Germanentum in einer bestimmten Art und Weise beförderte.

Lehrplanbezug, Aufbau und Themen des Projekt-Seminars

Die Konzeption einer Ausstellung bzw. Erstellung einer Informationsbroschüre zu diesem Thema entspricht unmittelbar dem Lehrplan der Q 12 Gymnasium im Fach Geschichte.

Nationale Identität und auch Nationalismus bzw. die Entwicklung der deutschen Nation sind unter den Stichworten „Volk´ und ´Nation´ als Identifikationsmuster“ inhaltliche Schwerpunkte im ersten Halbjahr.

Zusätzlich ließe sich hinsichtlich der musikalischen Aspekte das Fach Musik in das Projekt-Seminar einbinden.

Ziele sind, den Schülerinnen und Schülern, die an dem Seminar teilnehmen, einen Einblick in Bibliotheksbestände, Bildarchiv und Sammlung des Richard Wagner Museums zu ermöglichen und sie zu ausgewählten Einzelthemen recherchieren zu lassen. Dabei sollen sie sich den angemessenen Umgang mit Dokumenten und historischen Objekten aneignen und schließlich anhand der Ergebnisse eine Ausstellung konzipieren und/oder eine Informationsbroschüre erstellen.

Bei diesem Seminar lassen sich gut einzelne Teams bilden, die für eine Gesamtpräsentation thematische Teilbereiche erarbeiten.

Folgende Themen könnten berücksichtigt werden

Die Rezeption nordischer Mythen und Sagen bzw. des Nibelungenliedes durch Richard Wagner und seine Ansichten zu deutscher Tradition und Identität


Germanische Mythologie und Kultur im „Der Ring des Nibelungen“ in der Interpretation Richard Wagners an ausgewählten Beispielen (z. B. die Gestaltung der Siegfriedfigur in Text und Musik der Opern „Siegfried“ und „Götterdämmerung“)


Die Vorstellung der germanischen Welt in Inszenierungen des 19. Jahrhunderts im Festspielhaus (z. B. Bühnenbilder von Max und Gotthold Brückner, Kostümentwürfe von Carl Emil Doepler)


Der Einfluss des Opernwerks „Der Ring des Nibelungen“ auf die zeitgenössische Kunst


Germanentum in den Opern Wagners als Verkaufs- und Werbeobjekt um 1900 (z. B. der Vertrieb von Postkarten mit Motiven aus den Ringopern)


Die Übernahme von inhaltlichen Elementen aus dem „Ring“ zur Rechtfertigung nationaler und völkischer Ideen


Germanentum und der „Ring“ im Spiegel der zeitgenössischen Presse, Karikatur und Satire

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