Sonderausstellungen

20. Oktober 2020 bis 3. Oktober 2021

rosalie und wagner. licht – mythos – material

Am 12. Juni 2017 verstarb die international renommierte Bühnenbildnerin, Malerin und Lichtkünstlerin rosalie. Ihr überraschender Tod setzte den damals laufenden Planungen für ein gemeinsames Ausstellungsprojekt im Richard Wagner Museum ein abruptes Ende. Drei Jahre später – und coronabedingt noch einmal drei Monate später als geplant – wird 2020 in Bayreuth, am Ort ihres größten Erfolgs als Bühnenbildnerin, die erste umfassende Ausstellung nach dem Tod der bedeutenden Künstlerin ausgerichtet. Sie eröffnet also ein Vierteljahrhundert nach jenem Ring (Musikalische Leitung: James Levine, Regie: Alfred Kirchner), den rosalie als Bühnen- und Kostümbildnerin spektakulär in Szene setzte. Das Richard Wagner Museum realisiert diese Ausstellung in Kooperation mit dem atelier rosalie und seinem Leiter Thomas Jürgens nach umfangreicher Sichtung ihres künstlerischen Nachlasses.
Foto: rosalie: KLINGER | Begehbare Landschaften der Melancholie – kinetisch-interaktive Licht-Klang-Skulptur, Museum der bildenden Künste Leipzig 2013
rosalie: KLINGER | Begehbare Landschaften der Melancholie – kinetisch-interaktive Licht-Klang-Skulptur, Museum der bildenden Künste Leipzig 2013 – Foto: Wolf-Dieter Gericke
Foto: Der „Walkürenritt“ in „Die Walküre“, Bühnenbild und Kostüme: rosalie, Bayreuther Festspiele 1994 bis 1998
Der „Walkürenritt“ in „Die Walküre“, Bühnenbild und Kostüme: rosalie, Bayreuther Festspiele 1994 bis 1998 – Foto: Bayreuther Festspiele

Die Künstlerin rosalie hat mit den Licht- und Bilderwelten, die sie für den Ring des Nibelungen 1994 bis 1998 in Bayreuth schuf, Festspielgeschichte geschrieben. Zwischen den ideologiekritischen Inszenierungen der 1970er und 1980er Jahre und den Produktionen der Postmoderne nimmt der Ring von Alfred Kirchner und rosalie eine Sonderstellung ein. Ein offenes, raumzeitliches Kaleidoskop aus disparaten Kunstgebilden, in denen die Produkte des Alltags neu kodiert wurden, um den Mythos in Wagners Werk in eine zeitgemäße Sprache zu übersetzen. So sind die Eimer der Regenbogenbrücke oder die Schirme des Waldwebens in bleibender Erinnerung. Dieser Ring ist ganz augenfällig ein Produkt seiner Zeit, indem er sich durch seine Farbigkeit zum Verführungsmodus des Medienzeitalters bekannte.

Die Ausstellung macht diesen Ring wieder lebendig. Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Modelle, Notizen und Regiebücher zeugen von der Planung und Entwicklung der Inszenierung. Kostüme, Requisiten, Filme, Tondokumente und Fotos von Aufführungen vergegenwärtigen diese Produktion ein Vierteljahrhundert nach ihrer Erscheinung auf der Festspielbühne.

Licht war jedoch nicht nur auf der Bühne das zentrale Ausdrucksmittel der Künstlerin rosalie. Als bildende und als Lichtkünstlerin überschritt sie die Grenzen der Bühne, inszenierte und theatralisierte sie die Wirklichkeit mit ihren Skulpturen, kinetischen Objekten und vor allem mit ihren Lichtinstallationen. Auch in diesen Werken spielte die Musik – sehr oft die Richard Wagners – eine zentrale Rolle, war Teil einer synästhetischen Erfahrung, die rosalie mit ihrem Werk suchte und anzustoßen versuchte, wenn sie mit Tristan fragte: „Hör ich das Licht?“

rosalie (1953–2017)

– mit bürgerlichem Namen Gudrun Müller – war Bühnenbildnerin, Malerin und Lichtkünstlerin. Sie studierte bei Jürgen Rose und wurde durch ihre Arbeit am Bayreuther Ring des Nibelungen 1994 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Seit 1995 hatte sie den Lehrstuhl für Bühnen- und Kostümbild an der Hochschule für Gestaltung Offenbach inne. Kinetische Lichtskulpturen waren ab 2006 das zentrale Ausdrucksmittel der Stuttgarter Künstlerin. Für ihr Werk wurde rosalie mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2013 mit dem Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg.

Foto: rosalie auf der Vortreppe von Haus Wahnfried, ca. 1994
rosalie auf der Vortreppe von Haus Wahnfried, ca. 1994
Foto: rosalie: Heldenstück, Installation, 1986
rosalie: Heldenstück, Installation, 1986 – Foto: Uwe Seyl

Im Rahmen der Ausstellung werden nicht nur die Ausstellungsräume zu immersiven Licht-, Bild- und Tonwelten. Einen Höhepunkt bildet das Modell zu rosalies letztem Werk „Mahler 8”, das die Künstlerin für die damals gerade eröffnete Elbphilharmonie in Hamburg schuf und das die so genannte „Symphonie der Tausend”, Gustav Mahlers monumentale Achte, in eine filigrane Lichtsprache überträgt.

Allen Werken von rosalie – sei es auf der Bühne, im Museum oder im öffentlichen Raum – sind Unbefangenheit und vor allem Offenheit eigen. Bühnenbilder, Installationen und Kunstobjekte sind nie Illustrationen. rosalie nutzt den Fundus der modernen Deformationen nie in denuziatorischer Absicht, sie ist keine ikonoklastische Formenzertrümmerin. Vielmehr erschafft sie abstrakte assoziative Zeichensysteme, die dem Besucher, Betrachter und Zuseher alle Freiheit für die eigene Phantasie lassen. Eine Freiheit, die rosalie als „einen Millimeter über dem Material“ definierte.

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