Sonderausstellungen

19. Juli bis 3. November 2019

Der Prinzipal. Wolfgang Wagner und die „Werkstatt Bayreuth“

Am 30. August 2019 wäre Wolfgang Wagner (1919 – 2010) 100 Jahre alt geworden. Der jüngste Enkel Richard Wagners leitete die Bayreuther Festspiele über nahezu 60 Jahre und prägte sie während dieser schier unvorstellbar langen Ära wie kein anderer. Seine Persönlichkeit und seine überragende Lebensleistung als Intendant, Bühnenbildner und Regisseur will das Richard Wagner Museum aus Anlass seines 100. Geburtstages in einer großen Jubiläumsausstellung darstellen und würdigen.

Gleichzeitig ist die Ausstellung ein Panorama deutscher Geschichte sowie gesellschaftlicher und kultureller Entwicklungen bis weit nach der deutschen Einheit, deren Spiegel, bisweilen gar Kristallisationspunkt, die Festspiele und ihr Umgang mit Werk und Person Richard Wagners immer waren.

Gemeinsam mit seinem Bruder Wieland gelang Wolfgang Wagner 1951 mit der Neuaufnahme der Bayreuther Festspiele ihre Loslösung aus der kompromittierenden Verstrickung mit dem Nationalsozialismus, in die sie die Familie selbst geführt hatte.

Foto: Wolfgang Wagner an einer Wand lehnend, um 1975 (Ausschnitt)

Nach dem frühen Tod seines Bruders 1966 leitete er die Festspiele alleine bis 2008. Er öffnete die Festspiele für auswärtige Regisseure, formulierte ihren Werkstattcharakter und etablierte sie mit wegweisenden Verpflichtungen von Regisseuren wie Patrice Chéreau, Götz Friedrich, Harry Kupfer oder Christoph Schlingensief als zentralen Ort moderner, innovativer und meist auch kontroverser Interpretation der Werke Richard Wagners.

Durch seine Unterstützung wissenschaftlicher Projekte wie der Wagner-Briefausgabe oder der Thyssen-Reihe über die Bayreuther Festspiele und mit der Gründung der Richard-Wagner-Stiftung 1973 förderte und sicherte er auch außerhalb von Bühne und Festspielhaus die Pflege und den kritischen Umgang mit dem Erbe seines Großvaters.

Ganz im Sinne von Wolfgang Wagners Verständnis der Festspiele als „Werkstatt“ versteht auch das Richard Wagner Museum diese Ausstellung als erste von mehreren „Inszenierungen“: als einen ersten Schritt auf dem Weg, sich der Person und dem Festspielleiter zu nähern, eine erste Einschätzung vorzunehmen, am Beginn einer Musealisierung, die das die Zeit Überdauernde nach und nach herausschält. Für eine abschließende Bewertung steht die Forschung zu Wolfgang Wagner aufgrund noch unmittelbarer zeitlicher Nähe seines Lebens und Wirkens zu sehr am Beginn.

Frühere Sonderausstellungen

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4. April bis 26. Mai 2019

Siegfried Wagner. Eine Spurensuche

Aus Anlass des 150. Geburtstags Siegfried Wagners begibt sich das Museum auf eine Spurensuche nach dem Sohn, Künstler, Festspielleiter und Menschen Siegfried Wagner.

Siegfried Wagner (1869–1930) war vor allem von seiner Mutter Cosima als „Thronfolger“ und Bewahrer des väterlichen Erbes ausersehen. Trotzdem wäre es unangemessen und falsch, ihn nur als „Sohn von Berufs wegen“ zu bezeichnen.

Mit Übernahme der Festspielleitung 1908 beginnt er mit den ersten zaghaften modernen Veränderungen der Inszenierungen. Vor allem das Licht wird unter Siegfried Wagner zum Gestaltungsmittel. 1924 gelingt ihm die Wiedereröffnung der Festspiele, die mit Beginn des Ersten Weltkrieges unterbrochen worden waren. Spätestens mit seiner Neuinszenierung des „Tannhäuser“ 1930 zeigt Siegfried Wagner, dass er sich als Regisseur einem zeitgenössischen Inszenierungsstil nicht verschließt. Vom rauschenden Erfolg seiner Inszenierung erfährt er im Krankenhaus, nachdem er bereits vor der Festspieleröffnung einen Herzinfarkt erlitten hatte. Am 4. August 1930 stirbt Siegfried Wagner.

Foto: Siegfried Wagner, stehend im Garten, beschirmt sich die Augen mit der Hand, 1927 (Ausschnitt)

Aus Anlass des 150. Geburtstags Siegfried Wagners öffnet das Richard Wagner Museum Bayreuth die Magazine, in denen sein künstlerischer Nachlass bewahrt wird, und begibt sich auf eine Spurensuche nach dem Sohn, Künstler, Festspielleiter und Menschen Siegfried Wagner. Die Ausstellung versucht Lücken zu schließen, die die Biographie des Wagner-Erben charakterisieren und die bis heute seine Persönlichkeit, sein Künstlertum und damit auch seine Weltanschauung zur Projektionsfläche für unterschiedliche Interpretationen und kontroverse Diskussionen machen.

Foto von Siegfried Wagner mit seiner Mutter Cosima, 1911

Siegfried Wagner hat ein quantitativ durchaus dem Œuvre seines Vaters vergleichbares Opernwerk hinterlassen. In der Anzahl bildlicher Darstellungen schlägt der Sohn den Vater um Längen: Tatsächlich gibt es – vielleicht einzig mit Ausnahme des Großvaters Franz Liszt – kein Mitglied der Familie Wagner, nicht einmal Richard Wagner selbst, von dem so viele bildliche Zeugnisse überliefert sind. Und dennoch bleibt die Erscheinung Siegfried Wagners unscharf, schwer fassbar, widersprüchlich, oft nur Fassade. In einer größeren Anzahl von Texten – meist aus dem Bayreuther Umfeld – wird er später sogar wie sein Vater hagiographisch zum „Meister“ stilisiert.

Autobiographische Äußerungen und Erläuterungen zu seinen Werken existieren kaum. Kunsttheoretische und weltanschauliche Einlassungen, wie sie sein Vater in großer Zahl produziert hat, findet man von Siegfried Wagner nur spärlich. Wichtige Teile seines privaten Nachlasses sind weiterhin unter Verschluss und der Forschung nicht zugänglich.

Das Leben Siegfried Wagners ist beinahe nur noch greifbar und dokumentiert in seinem Werk und in den Inszenierungen der Werke seines Vaters. Siegfried Wagners eigene Bühnenwerke dagegen sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Zwar dichtete und komponierte er immerhin 17 Märchen- und Volksopern, von denen auch ein größerer Teil zu seinen Lebzeiten uraufgeführt wurde. Allerdings stießen sie – mit Ausnahme seiner ersten Oper „Der Bärenhäuter“ – auf wenig Interesse des Publikums und verschwanden rasch wieder von den Spielplänen.

Siegfried Wagners Verdienste um die Festspiele sind indessen unbestritten: die finanzielle Konsolidierung in wirtschaftlich schweren Zeiten, die technische Modernisierung und – nicht zuletzt – vor allem in Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner Kurt Söhnlein ab 1925 die vorsichtige szenische Erneuerung der Werke seines Vaters, die unter der Leitung seiner Mutter Cosima zu anachronistischem Kult geronnen waren. Diese Verdienste verschwinden jedoch oft im Schatten der ideologischen Inanspruchnahme und Politisierung der Festspiele, an der auch Siegfried Wagner nicht unbeteiligt war. Seit ihrer Wiederaufnahme 1924 nach zehnjähriger kriegsbedingter Unterbrechung wurden sie zunehmend zu einem Instrument völkischer und schließlich nationalsozialistischer Propaganda.

1930, im Todesjahr Siegfried Wagners, nimmt Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ Ulrich „Urlaub vom Leben“, um sich auf die Suche zu begeben nach Inhalt und Bestimmung seiner Existenz. Musils Roman sowie Leben und Persönlichkeit Siegfried Wagners besitzen durchaus weitere überraschende Parallelen, nicht zuletzt in der Suche nach einem – sexuell verstandenen – „anderen Zustand“. Und wie auch die Erzählung von der Sinnsuche Ulrichs schließlich in zahllosen Fäden verläuft und unvollendet bleibt, ist auch die Biographie Siegfried Wagners bis heute Fragment.

Foto von Siegfried Wagner mit handschriftlichem Gruß von ihm, um 1920
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