Frühere Ausstellungen

19. Juli 2019 bis 6. Januar 2020

Der Prinzipal. Wolfgang Wagner und die „Werkstatt Bayreuth“

Am 30. August 2019 wäre Wolfgang Wagner (1919–2010) 100 Jahre alt geworden. Der jüngste Enkel Richard Wagners leitete die Bayreuther Festspiele über nahezu 60 Jahre und prägte sie während dieser schier unvorstellbar langen Ära wie kein anderer. Seine Persönlichkeit und seine überragende Lebensleistung als Intendant, Bühnenbildner und Regisseur will das Richard Wagner Museum aus Anlass seines 100. Geburtstages in einer großen Jubiläumsausstellung darstellen und würdigen.

Gleichzeitig ist die Ausstellung ein Panorama deutscher Geschichte sowie gesellschaftlicher und kultureller Entwicklungen bis weit nach der deutschen Einheit, deren Spiegel, bisweilen gar Kristallisationspunkt, die Festspiele und ihr Umgang mit Werk und Person Richard Wagners immer waren.

Foto: Wolfgang Wagner an einer Wand lehnend, um 1975 (Ausschnitt)
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Ganz im Sinne von Wolfgang Wagners Verständnis der Festspiele als „Werkstatt“ versteht auch das Richard Wagner Museum diese Ausstellung als erste von mehreren „Inszenierungen“: als einen ersten Schritt auf dem Weg, sich der Person und dem Festspielleiter zu nähern, eine erste Einschätzung vorzunehmen, am Beginn einer Musealisierung, die das die Zeit Überdauernde nach und nach herausschält. Für eine abschließende Bewertung steht die Forschung zu Wolfgang Wagner aufgrund noch unmittelbarer zeitlicher Nähe seines Lebens und Wirkens zu sehr am Beginn.

Gemeinsam mit seinem Bruder Wieland gelang Wolfgang Wagner 1951 mit der Neuaufnahme der Bayreuther Festspiele ihre Loslösung aus der kompromittierenden Verstrickung mit dem Nationalsozialismus, in die sie die Familie selbst geführt hatte.

Nach dem frühen Tod seines Bruders 1966 leitete er die Festspiele alleine bis 2008. Er öffnete die Festspiele für auswärtige Regisseure, formulierte ihren Werkstattcharakter und etablierte sie mit wegweisenden Verpflichtungen von Regisseuren wie Patrice Chéreau, Götz Friedrich, Harry Kupfer oder Christoph Schlingensief als zentralen Ort moderner, innovativer und meist auch kontroverser Interpretation der Werke Richard Wagners.

Durch seine Unterstützung wissenschaftlicher Projekte wie der Wagner-Briefausgabe oder der Thyssen-Reihe über die Bayreuther Festspiele und mit der Gründung der Richard-Wagner-Stiftung 1973 förderte und sicherte er auch außerhalb von Bühne und Festspielhaus die Pflege und den kritischen Umgang mit dem Erbe seines Großvaters.

4. April bis 26. Mai 2019

Siegfried Wagner. Eine Spurensuche

Aus Anlass des 150. Geburtstags Siegfried Wagners begibt sich das Museum auf eine Spurensuche nach dem Sohn, Künstler, Festspielleiter und Menschen Siegfried Wagner.

Siegfried Wagner (1869–1930) war vor allem von seiner Mutter Cosima als „Thronfolger“ und Bewahrer des väterlichen Erbes ausersehen. Trotzdem wäre es unangemessen und falsch, ihn nur als „Sohn von Berufs wegen“ zu bezeichnen.

Mit Übernahme der Festspielleitung 1908 beginnt er mit den ersten zaghaften modernen Veränderungen der Inszenierungen. Vor allem das Licht wird unter Siegfried Wagner zum Gestaltungsmittel. 1924 gelingt ihm die Wiedereröffnung der Festspiele, die mit Beginn des Ersten Weltkrieges unterbrochen worden waren. Spätestens mit seiner Neuinszenierung des „Tannhäuser“ 1930 zeigt Siegfried Wagner, dass er sich als Regisseur einem zeitgenössischen Inszenierungsstil nicht verschließt. Vom rauschenden Erfolg seiner Inszenierung erfährt er im Krankenhaus, nachdem er bereits vor der Festspieleröffnung einen Herzinfarkt erlitten hatte. Am 4. August 1930 stirbt Siegfried Wagner.

Foto: Siegfried Wagner, stehend im Garten, beschirmt sich die Augen mit der Hand, 1927 (Ausschnitt)
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Aus Anlass des 150. Geburtstags Siegfried Wagners öffnet das Richard Wagner Museum Bayreuth die Magazine, in denen sein künstlerischer Nachlass bewahrt wird, und begibt sich auf eine Spurensuche nach dem Sohn, Künstler, Festspielleiter und Menschen Siegfried Wagner. Die Ausstellung versucht Lücken zu schließen, die die Biographie des Wagner-Erben charakterisieren und die bis heute seine Persönlichkeit, sein Künstlertum und damit auch seine Weltanschauung zur Projektionsfläche für unterschiedliche Interpretationen und kontroverse Diskussionen machen.

Foto von Siegfried Wagner mit seiner Mutter Cosima, 1911

Siegfried Wagner hat ein quantitativ durchaus dem Œuvre seines Vaters vergleichbares Opernwerk hinterlassen. In der Anzahl bildlicher Darstellungen schlägt der Sohn den Vater um Längen: Tatsächlich gibt es – vielleicht einzig mit Ausnahme des Großvaters Franz Liszt – kein Mitglied der Familie Wagner, nicht einmal Richard Wagner selbst, von dem so viele bildliche Zeugnisse überliefert sind. Und dennoch bleibt die Erscheinung Siegfried Wagners unscharf, schwer fassbar, widersprüchlich, oft nur Fassade. In einer größeren Anzahl von Texten – meist aus dem Bayreuther Umfeld – wird er später sogar wie sein Vater hagiographisch zum „Meister“ stilisiert.

Autobiographische Äußerungen und Erläuterungen zu seinen Werken existieren kaum. Kunsttheoretische und weltanschauliche Einlassungen, wie sie sein Vater in großer Zahl produziert hat, findet man von Siegfried Wagner nur spärlich. Wichtige Teile seines privaten Nachlasses sind weiterhin unter Verschluss und der Forschung nicht zugänglich.

Das Leben Siegfried Wagners ist beinahe nur noch greifbar und dokumentiert in seinem Werk und in den Inszenierungen der Werke seines Vaters. Siegfried Wagners eigene Bühnenwerke dagegen sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Zwar dichtete und komponierte er immerhin 17 Märchen- und Volksopern, von denen auch ein größerer Teil zu seinen Lebzeiten uraufgeführt wurde. Allerdings stießen sie – mit Ausnahme seiner ersten Oper „Der Bärenhäuter“ – auf wenig Interesse des Publikums und verschwanden rasch wieder von den Spielplänen.

Siegfried Wagners Verdienste um die Festspiele sind indessen unbestritten: die finanzielle Konsolidierung in wirtschaftlich schweren Zeiten, die technische Modernisierung und – nicht zuletzt – vor allem in Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner Kurt Söhnlein ab 1925 die vorsichtige szenische Erneuerung der Werke seines Vaters, die unter der Leitung seiner Mutter Cosima zu anachronistischem Kult geronnen waren. Diese Verdienste verschwinden jedoch oft im Schatten der ideologischen Inanspruchnahme und Politisierung der Festspiele, an der auch Siegfried Wagner nicht unbeteiligt war. Seit ihrer Wiederaufnahme 1924 nach zehnjähriger kriegsbedingter Unterbrechung wurden sie zunehmend zu einem Instrument völkischer und schließlich nationalsozialistischer Propaganda.

1930, im Todesjahr Siegfried Wagners, nimmt Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ Ulrich „Urlaub vom Leben“, um sich auf die Suche zu begeben nach Inhalt und Bestimmung seiner Existenz. Musils Roman sowie Leben und Persönlichkeit Siegfried Wagners besitzen durchaus weitere überraschende Parallelen, nicht zuletzt in der Suche nach einem – sexuell verstandenen – „anderen Zustand“. Und wie auch die Erzählung von der Sinnsuche Ulrichs schließlich in zahllosen Fäden verläuft und unvollendet bleibt, ist auch die Biographie Siegfried Wagners bis heute Fragment.

Foto von Siegfried Wagner mit handschriftlichem Gruß von ihm, um 1920
18. Juli bis 4. November 2018

Theatrum Mundi. Barockes Welttheater, Bühnenfestspiel, Spektakel

„Die ganze Welt ist eine Bühne.“ – Dieser zum geflügelten Wort gewordene Satz William Shakespeares besitzt im Zeitalter des Barock besondere Gültigkeit: Die Idee, das irdische Leben sei purer Schein und eine göttliche Inszenierung, in der jeder Mensch die ihm zugewiesene Rolle zu spielen habe, ist Fundament der europäischen Weltsicht im 17. und 18. Jahrhundert. In höfischen Festen und dem sich verbreitenden multimedialen Gesamtkunstwerk der Oper inszenieren und spiegeln die damaligen Herrscher diese Welt als vorgebliche Vertreter Gottes zu dessen Lob und zum eigenen Machterhalt.

Unter völlig anderen Vorzeichen verwirklicht sich im bürgerlichen Zeitalter des 19. Jahrhunderts die Idee des „Theatrum Mundi“ (Welttheater) wohl nirgends nachdrücklicher als in Richard Wagners Gesamtkunstwerk der Bayreuther Festspiele. Vor allem im „Ring des Nibelungen“ spiegelt sich eine überkommene Ordnung aus Aristokratie, korrupter Finanzwelt und dekadenter Politik, die zu überwinden Wagners Ziel ist, um sie durch eine „ästhetische Weltordnung“ zu ersetzen. …

Plakatmotiv der Sonderausstellung „Theatrum Mundi“ 2018
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Hundert Jahre später, zu Beginn der studentischen Unruhen des Mai 1968, konstatiert der französische Autor Guy Debord, dass die Menschen in einer „Gesellschaft des Spektakels“ leben, einer Scheinwelt des Konsumismus, in der die ‚Wirtschaft’ die Rollen zum alleinigen Zweck des zeitlosen Selbsterhalts verteilt – eine Feststellung, die auch im Zeitalter von Social Media nichts an Aktualität und Prägnanz verloren hat.

In Kooperation mit der Hochschule Hof/Campus Münchberg, dem Iwalewahaus Bayreuth und BayFinK nimmt das Richard Wagner Museum Bayreuth die Wiedereröffnung des UNESCO-Weltkulturerbes Markgräfliches Opernhaus zum Anlass, um in seiner diesjährigen Sommerausstellung dem Begriff des Welttheaters nachzuspüren.

Mit den multimedialen Mitteln unserer Zeit nähert sich die Ausstellung den Fragen nach Inszenierung und Inhalt, Schein und Sein, Rolle und Selbstbestimmtheit als Gemeinsamkeit von barocker Oper, Wagners Gesamtkunstwerk und den heutigen virtuellen Realitäten des Internets gleichermaßen.

30. März bis 27. Mai 2018

„Ich lasse mich nicht zermahlen!!!“ – Friedelind Wagner und Bayreuth

Eine Intervention im Siegfried Wagner-Haus

Friedelind Wagner (1918–1991), die älteste Tochter von Richard Wagners Sohn Siegfried und dessen Frau Winifred, war eine der prominentesten Vertreterinnen der Opposition gegen die Festspiele als „Hitlers Hoftheater“ und die begeisterte Schützenhilfe aus Wahnfried. Sie hat bewiesen, dass man als „Wagner“ durchaus kein Nationalsozialist sein musste. Am 29. März 2018 wäre sie 100 Jahre alt geworden.

„Ich lasse mich nicht zermahlen!!!“ schrieb Friedelind Wagner am 6. November 1939 in einem Brief an ihre Tante Daniela Thode. Friedelind Wagner steht mithin für einen bedeutsamen Kontrapunkt gegen den Geist, der sich exemplarisch im Siegfried Wagner-Haus manifestierte. Von Jugend an gab sie das „schwarze Schaf“ in der Familie und ging nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 im Alter von erst 21 Jahren ins entbehrungsreiche amerikanische Exil. …

Foto: Friedelind Wagner, Brustbild nach links, mit Hut
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Es ist indessen schwer zu beurteilen, ob der endgültige Bruch mit Wahnfried vor allem politischen Überzeugungen entsprang oder in höherem Maße ihrer notorischen Daueropposition gegen die Mutter und ihrer Außenseiterrolle in der Familie. In jedem Fall wurde Friedelind Wagner, inzwischen amerikanische Staatsbürgerin, nach ihrer Rückkehr nach Bayreuth 1953 als „Verräterin“ beschimpft.

Das Richard Wagner Museum zeigt vom 30. März bis zum 27. Mai 2018 unter dem Titel „‚Ich lasse mich nicht zermahlen!!!‛– Friedelind Wagner und Bayreuth“ eine Intervention zu Friedelind Wagner im Rahmen seiner Dauerausstellung im Siegfried Wagner-Haus.

Das Siegfried Wagner-Haus symbolisiert in besonderer Weise die nationalsozialistische Inanspruchnahme Wagners und der Bayreuther Festspiele. Von 1936 bis 1940 beherbergte Winifred Wagner hier Adolf Hitler während seiner Festspielbesuche. Sie selbst lebte darin bis zu ihrem Tod 1980. Dieser historisch in besonderer Weise kontaminierte Ort ist heute Schauplatz der Dokumentation und Darstellung der Ideologiegeschichte Wagners, der Bayreuther Festspiele und der Wahnfried-Familie vor und während des „Dritten Reichs“.

Wir danken unserem Förderer Herrn Manfred Meklenburg für die großzügige Unterstützung.

5. März bis 27. Mai 2018

Das verdächtige Saxophon. „Entartete Musik im NS-Staat

Eine kommentierte Rekonstruktion der Düsseldorfer Ausstellung von 1938

Nach den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen von 1933 und der Vertreibung und Inhaftierung regimekritischer Künstler folgte 1937 die Münchner Ausstellung „Entartete Kunst“. Auch in der Musik wurden vor allem die ästhetischen und stilistischen Tendenzen der Moderne als „Degeneration“ und „Zersetzung“ gebrandmarkt. So wurde im Mai 1938 bei den „Reichsmusiktagen“ in Düsseldorf eine Ausstellung „Entartete Musik“ gezeigt. …

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Wie die Münchner Schau stellte sie angeblich „Undeutsches“ an den Pranger und diskriminierte jüdische Operetten- und Schlagerkomponisten, atonale Werke und den Jazz als „artfremd“.

Fünfzig Jahre nach der Eröffnung der Ausstellung „Entartete Kunst“ haben Peter Girth (Düsseldorfer Symphoniker) und Albrecht Dümling (Berlin) in einer kommentierten Rekonstruktion der NS-Schau an die diskriminierende ideologische Reglementierung und Indienstnahme des deutschen Musiklebens durch den Nationalsozialismus erinnert. Im Auftrag der Stiftung Berliner Philharmoniker und der Tonhalle Düsseldorf entstand 2007 eine Neufassung unter dem Titel „Das verdächtige Saxophon. ‚Entartete Musik‘ im NS-Staat“.

Das Plakat zur Ausstellung zeigt das Titelmotiv der die Ausstellung 1938 begleitenden Broschüre von Hans Severus Ziegler: Ein schwarzer Jazzmusiker, Titelfigur der Oper „Jonny spielt auf“ von Ernst Krenek, galt als Symbol der „Entartung“, unterstrichen durch den Judenstern im Knopfloch.

Ab 15. März 2018 zeigt das Richard Wagner Museum Bayreuth die Wanderausstellung. Erweitert wird sie in Bayreuth durch Exponate, welche die politische Indienstnahme des Wagner-Erbes dokumentieren.

14. Juli bis 29. November 2017

»Es gibt nichts ‚Ewiges‘.«

Wieland Wagner – Tradition und Revolution. Eine Jubiläumsausstellung zum 100. Geburtstag

Wieland Wagner (1917–1966) war einer der größten Reformer der Opernbühne im 20. Jahrhundert. Aufgewachsen in der „machtgeschützten Innerlichkeit“ Wahnfrieds, dem mythisierten Wohnhaus seines Großvaters Richard Wagner in Bayreuth, im Umfeld deutschnationaler, antisemitischer Wagner-Ideologie und der Künstler-Bohème des Festspielbetriebs gleichermaßen, wurde der Erstgeborene von Wagners Sohn Siegfried und dessen Frau Winifred Wagner zum Günstling Adolf Hitlers.

Nach den ersten bühnenbildnerischen Gehversuchen bei den Bayreuther Festspielen zwischen 1937 und 1945 bedeutete das Ende des Zweiten Weltkriegs und des Dritten Reichs mit der Einsicht in die Verbrechen des Regimes, mit dem seine Familie und vor allem seine Mutter so eng verbunden waren, einen so tiefen wie verstörenden Einschnitt in die scheinbar „heile Welt“ des designierten Bayreuther Kronprinzen. …

Foto: Wieland Wagner vor einer Marmorbüste Richard Wagners
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Im Rückzugsort der Familie in Nußdorf am Bodensee vollzog sich – fast unbemerkt – die Neugeburt des Künstlers Wieland Wagner aus dem Geist der ästhetischen Moderne, der Antike und der Psychoanalyse, namentlich der Archtetypenlehre C.G. Jungs – sämtlich zuvor verbotenes und verpöntes intellektuelles Neuland.

Mit gerade einmal Anfang 30 übernahm Wieland Wagner gemeinsam mit seinem Bruder Wolfgang die Leitung der als „Hitlers Hoftheater“ politisch vollständig diskreditierten Bayreuther Festspiele, die jedoch bereits 1951, gerade einmal sechs Jahre nach Kriegsende, fortgesetzt werden konnten. Hier schuf er mit der theaterästhetischen Revolution von „Neu-Bayreuth“ eine Wagner-Ikonographie, die über Jahrzehnte nicht minder verbindlich wurde als der naturalistische Bühnenhistorismus Richard Wagners selbst. Damit sorgte er für die Abkehr der Bayreuther Festspiele von der ideologisch belasteten ‚Tradition‘ und für deren Hinwendung zu einem antikisierenden, statuarischen Reliefstil der archetypisch aufgefassten Figuren, deren Innenleben und Psyche mittels abstrakter Formen, Farben und Licht in archaischen Symbolräumen nach außen gespiegelt wurde und so die dramatische Handlung – ganz im Sinne Richard Wagners – als Ausdruck des Mythos begriff. Er befreite die Festspiele so von ihrer politischen Diskreditierung, was zu einer so zeitgemäßen wie zukunftsweisenden Wagner-Renaissance führte.

Die Jubiläumsausstellung aus Anlass des 100. Geburtsjahrs Wieland Wagners spürt dem Menschen und Bühnen-Künstler Wieland Wagner nach und vermittelt einen Eindruck der – obgleich bis zu seinem allzu frühem Tod im Alter von nur 49 Jahren – lediglich 15 Jahre und damit vergleichsweise kurz währenden, jedoch bis heute nachwirkenden, legendären Epoche der Bayreuther Festspiele und damit der Musiktheaterkunst und eines radikal gewandelten Wagner-Bildes weltweit. Die szenografische Form der Ausstellung macht zudem die wesentlichen theater- und kulturgeschichtlichen Aspekte des Theaters Wieland Wagners sinnlich erfahrbar.

Die Ausstellung wurde ermöglicht und gefördert von der Beauftragten für Kultur und Medien und der Oberfrankenstiftung.

Foto: Szene aus „Tristan und Isolde”, Inszenierung von Wieland Wagner, 1962
17. Juli bis 20. November 2016

WAGNERBILDER. MONIKA RITTERSHAUS.

Fotografien 1992–2016

Bereits in der Sonderausstellung „Germanenkult – Wagner-Illustrationen von Ferdinand Leeke“ (15.03.-29.05.2016) widmet sich das Richard Wagner Museum einem Kapitel der Wagner-Ikonographie und ihrer Rezeption. Hieran anknüpfend präsentiert die Sommerausstellung 2016 mit den Theaterfotografien von Monika Rittershaus die vielfältige Wagner-Rezeption der vergangenen 20 Jahre und illustriert damit auch die Auseinandersetzung mit einem Wagner-Bild, das nicht zuletzt durch die Werke Leekes zu Beginn des letzten Jahrhunderts geprägt wurde.

Die Theaterfotografie ist eine besondere Disziplin der Fotokunst. Das Theater entzieht sich als performative, dynamische Kunstform dem fixierten Moment der in der Fotografie erstarrten und gleichsam geronnenen Zeit. Es kommt daher darauf an, nicht nur die künstlerische Intention einer Opernproduktion und ihrer Urheber im festgehaltenen Augenblick zu erfassen, sondern auch ihren spezifischen inneren und äußeren Rhythmus. Eine gelungene Theaterfotografie ist mithin nicht nur Dokumentation, sondern stets auch Interpretation und Darstellung von Theaterästhetik. …

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Monika Rittershaus gelingt dies in ihren Fotografien auf faszinierende Weise. Geradezu symbolisch fassen ihre Momentaufnahmen den Geist einer Operninszenierung wie in einem Brennglas zusammen. Insbesondere der Wechselbeziehung zwischen Figur und Raum kommt dabei besondere Bedeutung zu. Dabei versteht Monika Rittershaus sich auch in der zugleich individuellen wie typischen Zeichnung der Operngestalten und ihrer Charaktere. Das Theater als vergängliche Kunst über den Menschen erscheint in den Fotografien von Monika Rittershaus nicht als Dokumentation vergänglicher Geschichte historischer Aufführungen, sondern in seiner ganzen spannenden Gegenwärtigkeit und Lebendigkeit.

Die Ausstellung im Richard Wagner Museum 2016 ist eine Retrospektive der Arbeiten von Monika Rittershaus zu Wagner-Inszenierungen. Aus ihrer jahrelangen Zusammenarbeit mit bedeutenden und verschiedensten Regisseuren und Bühnenbildnern entsteht so ein faszinierendes und künstlerisch hochwertiges Panorama verschiedenster Wagner-Deutungen in den vielfältigen Ausdrucksformen moderner Theaterästhetik. So weitet die Ausstellung nicht nur den Blick auf Wagner und zeigt sein Werk aus den verschiedensten Perspektiven, sondern erzählt in den Fotografien von Monika Rittershaus von der Kunst und der Faszination des Theaters und der Wagner-Inszenierung mittels Kunstwerken eigener und faszinierender Art.

Der Ausstellungskatalog ist zum Preis von 6,50 € im Museumsshop erhältlich!

Die Künstlerin Monika Rittershaus, geb. 1963, gehört zu den bedeutendsten, nachgefragtesten und erfolgreichsten Theaterfotografinnen unserer Zeit. 1982 – 1984 studierte sie Philosophie, Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Wuppertal, von 1985 – 1992 Fotografie an der Fachhochschule Dortmund bei Prof. Gisela Scheidler. Seit 1989 arbeitet sie als Theaterfotografin unter anderem für die Staatsoper Berlin, Komische Oper Berlin, Berliner Ensemble, Oper Frankfurt, Nederlandse Opera, Hamburgische Staatsoper, Salzburger und Schwetzinger Festspiele, Los Angeles Opera. Dabei arbeitete sie vor allem mit Achim Freyer, Claus Guth, Christof Loy, Claus Peymann, Andreas Homoki, Barrie Kosky, Hans Neuenfels, Calixto Bieito, Peter Konwitschny, Johan Simons u.a. zusammen.

Dabei nimmt die Dokumentation und Interpretation von internationalen Wagner-Produktionen naturgemäß einen breiten Raum in ihrem Schaffen ein. Seit 2006 arbeitet sie außerdem intensiv für „Zukunft@BPhil“, das Education-Projekt der Berliner Philharmoniker. Ausstellungen ihrer Werke fanden bereits in Berlin, Dresden, Frankfurt, Gütersloh, Los Angeles, Salzburg und Schwetzingen statt.

Folgende vielbeachtete Buch- und Katalogpublikationen legte sie bislang vor:

1995 Klangbilder, Portrait der Staatskapelle Berlin
1999 Achim Freyer ZAUBERFLÖTENWELT
2006 Malakhovs Dornröschen
2007 FREYER THEATER
2008 Schwetzinger Festspiele 1996-2008
2009 The Jerusalem Chamber Music Festival

Weitere Informationen unter: www.monikarittershaus.de

25. März bis 29. Mai 2016

Germanenkult – Wagner-Illustrationen von Ferdinand Leeke

Friedrich Nietzsche war schockiert über das, was er 1876 bei den ersten Bayreuther Festspielen erlebte: „Man hatte Wagner ins Deutsche übersetzt! […] Die deutsche Kunst! Der deutsche Meister! das deutsche Bier!“

Cosima Wagner, ihr künftiger Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain und der sie umgebende „Bayreuther Kreis“ hatten das Erbe und das Bild Richard Wagners fest im Antimodernismus des Deutschen Kaiserreichs verankert. Sie stellten es nicht nur uneingeschränkt in den Dienst des aufkommenden völkischen Nationalismus – sondern an dessen Spitze.

Ungeheure Verbreitung und damit Verfestigung erfuhr das Bild eines “germanischen” Wagner in den Gouachen des Malers Ferdinand August Leeke (1859 – 1937), die Siegfried Wagner Ende des 19. Jahrhunderts im Andenken an seinen Vater beim Künstler in Auftrag gab. Sie dienten als Druckvorlagen für aufwendige Mappenwerke und unzählige Postkarten. …

Ölgemälde: „Wotans Abschied” von Ferdinand Leeke, 1932
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Leeke, Absolvent der Königlichen Akademie der Künste in München, war als Maler und Illustrator in der Landeshauptstadt tätig und schuf neben Genrebildern und Porträts vor allem Darstellungen der germanischen Sagenwelt. Seine Illustrationen der Musikdramen Wagners sind nicht nur ein Spiegel des damaligen realistischen und pathetischen Aufführungsstils, sondern auch das Abbild des politischen Zeitgeists, der die „Deutsche Kunst“ und den „Deutschen Geist“ über alles andere stellte und als Ausdruck des „deutschen Wesens“ missverstand, an dem angeblich „die Welt genesen“ sollte.

Das Richard Wagner Museum blickt 2016 in zwei sehr unterschiedlichen Ausstellungen auf das Wagner-Bild damals und heute. Nach den Illustrationen von Ferdinand Leeke, die die bis weit ins 20. Jahrhundert die verbindliche Wagner-Ikonographie repräsentieren, präsentiert die Sommerausstellung 2016 Theaterfotografien von Monika Rittershaus. Diese zeigen die vielfältige und vielschichtige moderne und postmoderne Wagner-Rezeption der vergangenen 20 Jahre auf den Opernbühnen weltweit und illustrieren damit auch die Auseinandersetzung mit einem Wagner-Bild, das nicht zuletzt durch die Werke Leekes zu Beginn des letzten Jahrhunderts geprägt wurde.

27. Juli 2015 bis 31. Januar 2016

„Wahnfried“ oder „Aergersheim“

Die Geschichte Wahnfrieds

Richard Wagner war zeitlebens in halb Europa unterwegs und war fast 60 Jahre alt, als er 1872 in Bayreuth seine eigene Künstlervilla plante und – mit Geldern von König Ludwig II. und Cosima – das von ihm so benannte Haus „Wahnfried“ baute. Wegen der vielen Bauverzögerungen sprach Wagner zwischenzeitlich auch von seinem „Aergersheim“. Die Ausstellung zur Geschichte von „Wahnfried“, die das Schweizer Büro ARTES unter Leitung von Dr. Verena Naegele konzipiert, zeigt die Entstehungsgeschichte und den Wandel dieser einzigartigen Komponisten-Villa vom Wohnhaus mit Anbauten bis hin zum Museum.

1893 errichtete Wagners Sohn Siegfried auf demselben Grundstück das Siegfried-Wagner-Haus, das seine Gattin Winifred ab 1932 mehrfach erweiterte. Auch Adolf Hitler hat u. a. hier als Gast gewohnt. Nach der Zerstörung Wahnfrieds durch eine Bombe 1945 wurde das Haus nach Plänen von Hans Reissinger 1949 wieder bewohnbar gemacht und diente bis zum Tod des Wagner-Enkels Wieland 1966 als Wohnhaus für dessen Familie. Nach der äußerlich originalgetreuen Rekonstruktion wird es seit 1976 als Museum betrieben. …

Foto: Haus Wahnfried, Gartenseite, um 1930
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In der Ausstellung geht es nicht nur um die wechselvolle Geschichte des Hauses Wahnfried bis heute, sondern auch um Einblicke in das private Leben der Familie Wagner. Zu sehen sind u.a. das originale Kompositionsklavier Wagners, sowie viele bisher unbekannte Bilder, Pläne und Dokumente, die neue Erkenntnisse zur Baugeschichte des Hauses Wahnfried zutage fördern. Die Ausstellung ist mehrheitlich grafisch gestaltet durch das Atelier Pixelberg Zürich.

Die Ausstellung wurde ermöglicht und gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und durch die Oberfrankenstiftung.

Foto: Haus Wahnfried, Vorderseite, um 1876
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