Über die Ausstellung
Was verbindet Richard Wagners Ring des Nibelungen mit Putins berüchtigter Söldnertruppe „Wagner“? Mehr als ein Name. Das Hamburg-Berliner Musiktheaterkollektiv „Sounding Situations“ bringt seine aufsehenerregende Produktion „Wagner Weltweit“ in das Richard Wagner Museum Bayreuth.
Während der Bayreuther Festspiele 2026 wird aus dem Musiktheaterprojekt ein Resonanzraum, der erfahrbar macht, wie das Phänomen Wagner bis heute nachhallt — als Komponist, Mythos, Privatarmee und politische Chiffre. Die Ausstellung zeigt, wie Wagners Werk und Wirkungsgeschichte heute mit digitalen Erzählungen, politischen Gewaltfantasien und globalen Bildern von Macht in Verbindung treten. Die künstlerische Recherche von „Sounding Situations“ wird im musealen Raum zum Resonanzkörper — wo Mythos und Gegenwart iineinandergreifen: leise, verstörend, unabgeschlossen.
Im Juni 2023 marschierten Söldner der russischen Gruppe Wagner auf Moskau und kündigten an, die Macht in Russland zu übernehmen. Das Ereignis wurde live übertragen, weltweit kommentiert und auf sozialen Medien als mediales Spektakel verfolgt. Der Putsch scheiterte; seine Anführer starben kurze Zeit später bei einem Flugzeugabsturz. Die Gruppe Wagner hatte sich nach Richard Wagner benannt. Ihre Mitglieder bezeichneten sich selbst als „Musikanten“, Waffen wurden als Instrumente bezeichnet, Krieg zur Oper erklärt.
An dieser beunruhigenden Verbindung setzen die Musiktheaterproduktion und die daraus entstehende Installation an: Wie verknüpfen sich gegenwärtige politische Mythen, digitale Propaganda und Wagnersche Bildwelten miteinander, wie entsteht daraus eine Resonanz zwischen Sounds, Gefühlen und konkreten politischen Ereignissen der Gegenwart?
Im Kontext der Bayreuther Festspiele und in unmittelbarer Nähe zur Wagner-Rezeption wird die Frage besonders dringlich: Was geschieht mit einem künstlerischen Erbe, wenn es weiterzirkuliert, aufgeladen, missbraucht, neu gelesen und politisch vereinnahmt wird? Der Ausstellungsraum wird zur begehbaren Bühne, Live-Situationen verdichten sich zum installativen Raum. Die Parallelmontagen der Produktion — Walhall und Flugzeugabsturz, Rheingold und Söldnergold, Brünnhildes Verrat und der Verrat an den Söldnern, Nothung
und die Verherrlichung der Waffe, Hagens Intrigen und russische Propaganda — bleiben als Spuren im Raum, als Einladung, Wagner aus der Gegenwart heraus neu zu befragen.
Über Sounding Situations
Sounding Situations entwickelt Musiktheater, bei dem sich Theater, Musik und Publikum in einem physischen und imaginären Raum für künstlerische Aktionen treffen. Ihre Projekte schaffen Momente, in denen politische Kunst, aktuelle Fragen unserer Gesellschaft, Realität, Utopie und künstlerische Magie zu einem vielschichtigen Kunstwerk verschmelzen. Das Kollektiv, bestehend aus Milena Kipfmüller, Klaus Janek und Jens Dietrich, erforscht seit 2014 theatrale Situationen zwischen Musiktheater, Inszenierung und Komposition mit Live-Musik, Instrumenten, Aufnahmen, Samples, Sprache und Live-Schnitt.
Sounding Situations: Wagner Weltweit
Ausstellung / Resonanzraum
Museumsneubau, Ausstellungshalle
23. Juli – 4. Oktober
Im Museumseintritt enthalten
